MIT-Konjunkturbrief Mittelstand aktuell März 2026

Datum des Artikels 03.03.2026
Bund aktuell

Nicht nur die Wirtschaftsleistung, auch Produktion und Aufträge haben zuletzt zugelegt. Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Inflation liegt sogar unter der EZB-Zielmarke. Die Exportwirtschaft war mit etwas Rückenwind ins neue Jahr gestartet, doch der Militärschlag gegen den Iran und der Schlingerkurs der US-Zollpolitik sorgen für neue Unsicherheiten. Manche negativen Standortfaktoren in Deutschland kommen hinzu. Die Energiekosten sind zu hoch, die Bürokratie ist erdrückend und der Sozialstaat fordert einen hohen Tribut. Der Lohndruck auf die Unternehmen steigt. Doch der deutsche Mittelstand beweist sich noch als robust, die Stimmung unter KMU hat sich zuletzt sogar etwas aufgehellt. Deutschland braucht in diesem Jahr mehr als ein Prozent Wachstum. Reformen müssen deshalb schnell umgesetzt werden. Regulierung und Bürokratie müssen abgebaut, Arbeits- und Energiekosten gesenkt werden.

Wirtschaftsleistung: Das BIP ist in Q4 2024 gegenüber dem Vorquartal um 0,3% gestiegen. Zur positiven Entwicklung trugen sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben bei. Aber auch die Bauinvestitionen zogen deutlich an. Insgesamt ist das BIP 2025 um 0,2% gewachsen (Destatis 25.02.26). Die Produktion war im Dezember um 1,9% gesunken, hat im weniger volatilen Dreimonatsvergleich jedoch um 0,9% zugelegt (Destatis 06.02.26). Im Januar war die Auslastung der Produktionskapazitäten auf 83,6% etwas gestiegen – ein mögliches Zeichen für die Überwindung des konjunkturellen Tiefpunktes (ifo 10.02.26). Im mittelständisch geprägten Einzelhandel ist der Umsatz im Januar gegenüber dem Vormonat allerdings um 0,9% gesunken, (Destatis 02.03.26), auch die die Fahrleistung im Güterverkehr war zuletzt rückläufig (Destatis 09.02.26). Die Bundesregierung geht für das BIP im laufenden Jahr von einem Wachstum 1,0% aus, andere Prognosen liegen höher (DB Research 02.03.26). Nach den Militärschlägen gegen den Iran wird die Konjunktur noch stärker von den geopolitischen Entwicklungen abhängig sein (DB Research 02.03.26).

Auftragslage: Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im Dezember aufgrund von Großaufträgen gegenüber dem Vormonat um 7,8% gestiegen. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang in Q4 um 9,5% höher als in Q3 (Destatis 05.02.26).

Insolvenzen: Zuletzt im November 2025 gab es 1.794 beantragte Unternehmensinsolvenzen, das waren 0,4% mehr als im Vorjahresmonat (Destatis 13.02.26).

Preisentwicklung: Die Inflationsrate lag im Februar mit 1,9% unter der EZB-Zielmarke, ohne Nahrungsmittel und Energie (Kerninflation) bei 2,5%. (Destatis 27.02.26).
Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist im Februar um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5% gesunken (ILO-Erwerbskonzept: 4,2%) (BA 27.02.26). Die Nominallöhne stiegen 2025 um 4,2%, die Reallöhne sind um fast 1,9% gestiegen (Destatis 27.02.26), womit der Lohndruck auf die Unternehmen zunimmt. Die Unternehmen planen wieder häufiger, Stellen zu streichen, das ifo Beschäftigungsbarometer ist im Januar zurückgegangen (ifo 25.02.26). Gleichzeitig hat die schwache Konjunktur dafür gesorgt, dass Unternehmen wieder etwas leichter Fachkräfte finden (ifo 18.02.26).

Außenwirtschaft und Lieferketten: Im Dezember sind die Exporte gegenüber dem Vormonat um 4,0% und die Importe um 1,4% gestiegen (Destatis 06.02.26). Die ifo Exporterwartungen stiegen im Februar etwas an (ifo 24.02.26). Die USA haben Ende Februar nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs einen allgemeinen Importzoll von 10% in Kraft gesetzt, der zunächst auf 150 Tage befristet ist (DB Research 02.03.26). Auch unter den KMU spüren 12% direkte Auswirkungen der US-Zölle, indirekte Folgen der Zölle zeigen sich sogar bei 44% (DZ Bank 09.02.26). Die neue Wendung der US-Zollpolitik erhöht die Unsicherheit im US-Geschäft weiter. Der Angriff auf den Iran verschärft die geopolitische Anspannung, so ist die Lage in der Straße von Hormuz brisant (DZ Bank 02.03.26).

Standortwettbewerb: Derzeit bewerten 40% aller im internationalen Wettbewerb stehenden Mittelständler steigende Energie- und Lohnkosten als hohes Risiko für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland (Steuern: 60%, Bürokratie: 65%) (KfW Research 26.02.26). Die Bürger sehen auch im Sozialstaat zunehmend ein Standortrisiko: Eine große Mehrheit (64 Prozent) der Deutschen hält ihn in seiner heutigen Form nicht mehr für finanzierbar (Stern/RTL 10.02.26). Forschung und Entwicklung von Halbleitertechnologien findet zunehmend außerhalb Europas, insbesondere in Asien, statt. Seit 2000 gingen 35% der Patente nach Japan, 18% in die USA, 15% nach Südkorea. Nur 10% in die EU insgesamt, nach Deutschland lediglich 5,6% (ifo 12.02.26).

Geschäftsklima: Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen legt im Februar um 0,8 Zähler auf jetzt -14,1 Saldenpunkte zu. Die Unternehmensstimmung ist noch immer nicht gut, die Richtung (nach oben) passt jedoch wieder. Ursächlich für den Anstieg des mittelständischen Geschäftsklimas sind vor allem verbesserte Erwartungen. Die Lagebeurteilung steigt nur geringfügig. (KfW/ifo 27.02.26).

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