MIT-Konjunkturbrief Mittelstand aktuell November 2026

Datum des Artikels 04.11.2026
Bund aktuell

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter, aber die Erholung bleibt fragil. Im dritten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zu. Für das Gesamtjahr rechnet der IWF mit 1,3 Prozent Wachstum. Das Geschäftsklima im Mittelstand verbessert sich zum sechsten Mal in Folge. Auch die Zahl der Unternehmensgründungen steigt so kräftig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Doch im August sind deutlich weniger neue Aufträge eingegangen, und das Exportgeschäft hat im dritten Quartal an Schwung verloren. Wie angespannt die Lage vieler Betriebe bleibt, zeigen die Insolvenzen. Im Juli registrierten die Amtsgerichte acht Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als vor einem Jahr. Zugleich stagniert die Beschäftigung im Mittelstand. In der Industrie sind seit 2019 fast eine halbe Million sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren gegangen. Besonders bedenklich ist der Ausblick in der Metall- und Elektroindustrie. Vier von zehn Unternehmen erwarten, dass sie in den nächsten drei bis fünf Jahren in Deutschland schrumpfen oder ihren Betrieb aufgeben. Im Mittelstand kommt die Investitionstätigkeit nicht in Gang, obwohl die KMU eine solide Eigenkapitalbasis haben. Die Politik muss an den Rahmenbedingungen ansetzen. Unternehmen brauchen bezahlbare Energie, niedrigere Steuern und Sozialabgaben und weniger Bürokratie. Die Regierung muss die konjunkturelle Erholung nutzen, um diese Reformen zügig umzusetzen. Denn ob der Aufschwung trägt, entscheidet sich auch daran, ob Unternehmen wieder mehr am Standort Deutschland investieren.

Wirtschaftsleistung: Die Wirtschaftsleistung ist in Q3 gegenüber dem Vorquartal zum vierten Mal in Folge um 0,2% gestiegen. Die Konsumausgaben haben leicht zugelegt, während sich Investitionen und Exporte abkühlten (Destatis 02.11.26). Die Produktion ist im August gegenüber dem Vormonat um 2,0% gestiegen (Vorjahresvergleich: +2,3%), im Dreimonatsvergleich lag sie um 0,4% höher (Destatis 07.10.26). Im August wurden 6,8% mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahresmonat (Destatis 18.10.26). Im mittelständisch geprägten Gastgewerbe wurde im August allerdings 4,2% weniger umgesetzt als noch vor einem Jahr (Destatis 20.10.26). Im Gesamtjahr dürfte das deutsche BIP um 1,3% wachsen (IWF 30.10.26).

Auftragslage: Der Auftragseingang ist im August gegenüber dem Vormonat deutlich um 10,6% gesunken, konnte im Dreimonatsvergleich um 1,3% zulegen (Destatis 06.10.26). Der Auftragsbestand hat damit im Vormonatsvergleich 0,5% zugelegt, die Auftragsbücher sind 10,7% voller als im Vorjahr (Destatis 18.10.26).

Insolvenzen und Gründungen: Im Juli haben deutschen Amtsgerichte 8,0% mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat registriert (Destatis 08.10.26). Gleichzeitig gibt es in Deutschland mit einem ein Plus von 7,7% gegenüber dem Vorjahr wieder mehr Unternehmensgründungen, das war der stärkste Anstieg seit zehn Jahren (Creditreform 26.10.26).

Preisentwicklung: Die Inflationsrate lag Oktober 2026 bei 2,8%, also über der EZB-Zielmarke, aber um 0,2 Prozentpunkte weniger als im September. Ohne Nahrungsmittel und Energie (Kerninflation) lag sie bei 2,1% (Energie: 12,2%) (Destatis 02.11.26). Mehr Unternehmen planen, ihre Preise anzuheben: Die ifo-Preiserwartungen stiegen im Oktober auf 25,9 Punkte von zuvor 23,0 (ifo 30.10.26).

Arbeitsmarkt: Im Oktober sank die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3% (ILO-Erwerbskonzept: 4,1%) (BA 30.10.26). Die Unternehmen planen insgesamt weniger Stellen abzubauen, das ifo Beschäftigungsbarometer stieg im Oktober leicht auf 95,5 Punkte, nach 95,1 Punkten im September (ifo 28.10.26). Der Jobmotor Mittelstand verliert an Leistung, das Beschäftigungswachstum bei KMU lag im abgelaufenen Jahr bei +/-0 % (KfW 22.10.26).

Außenwirtschaft und Lieferketten: Die in der ersten Jahreshälfte noch sehr dynamische Entwicklung der Exporte schwächte sich im 3. Quartal 2026 merklich ab (Destatis 02.11.26). Im August sind die Exporte gegenüber Juli 2026 kalender- und saisonbereinigt um 0,8% gesunken und die Importe um 0,9% gestiegen (Destatis 08.10.26). Dennoch hat sich die Stimmung unter den Exporteuren im Oktober deutlich gebessert (ifo 27.10.26). Allerdings haben die Materialengpässe in der Industrie im September wieder zugenommen, 14,6% der Unternehmen berichteten von fehlenden Vorprodukten (August: 13,3%) (ifo 12.10.26).

Finanzierung und Investition: Die Eigenkapitalausstattung der KMU bleibt auf hohem Niveau stabil und begünstigt den Zugang zu Fremdfinanzierung. Auch die Schuldentragfähigkeit ist weiterhin hervorragend. Trotz des finanziellen Spielraums entfaltete sich aber erneut keine Investitionsdynamik (KfW 22.10.26). Und das, obwohl die Banken in Q3 ihre Maßstäbe bei der Kreditvergabe etwas gelockert haben. Insbesondere das hohe Zinsniveau macht Kreditangebote für viele KMU unattraktiv (KfW 29.10.26).

Standort Deutschland: In den nächsten drei bis fünf Jahren werden 41% der Industrieunternehmen in Deutschland schrumpfen oder sogar aufgeben – das wären über 11.000 Betriebe. Nur 17% der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie rechnen mit Wachstum, 42% werden sich halten (Gesamtmetall 23.10.26). Schon jetzt hat die deutsche Industrie seit 2019 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig entstanden im Dienstleistungssektor mehr als 2,2 Mio. neue Stellen, vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltung (ifo 18.10.26). Die Beitragssätze der Sozialversicherung liegen bereits bei 42,8% und könnten bis 2035 sogar auf 48,8% steigen (INSM 02.12.26).

Geschäftsklima: Das Geschäftsklima im Mittelstand steigt den sechsten Monat in Folge. Lageurteile und Geschäftserwartungen der KMU gehen gleichermaßen leicht nach oben. Trotz widriger Umstände mit erheblich gestiegenen Öl- und Gaspreisen hält der Aufwärtstrend an (KfW/ifo 02.11.26).

Mehr zum Thema

Themen