Wirtschaftsleistung: Die deutsche Wirtschaft hat sich im 1. HJ kräftiger erholt als erwartet. Das BIP ist in Q2 gegenüber dem Vorquartal um 0,3% gestiegen - das war bereits der dritte Anstieg in Folge. Damit setzt sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft fort. Wie schon in Q1 ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück (Destatis 25.08.26). Auch die Industrieproduktion ist in Q3 um kräftige 0,7% gegenüber dem Vorquartal gestiegen (Destatis 07.08.26). Die Fahrleistung von Lkw war im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,8% gestiegen (Destatis 07.08.26). steigende Pegelstände verbesserten zuletzt die Bedingungen Binnenschifffahrt und lassen die stark erhöhten Transportkosten wieder sinken (DZ Bank 26.08.26). Im Mittelstand ging jedoch laut DATEV der Umsatz im Juli wieder zurück (DATEV 20.08.26). Für das Gesamtjahr dürfte das BIP um 1,4% zulegen – das sind 0,6 Prozentpunkte mehr, als noch im Juni zu erwarten war (ifo 03.09.26/IfW 03.09.26/RWI 03.09.26).
Auftragslage: Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im Juni gegenüber dem Vormonat um 3,1% gestiegen. Im gesamten Q2 lag er um 1,3% höher als im Vorquartal (Destatis 06.08.26). Der Auftragsbestand war im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,8% gestiegen, im Vergleich zum Vorjahresmonat waren die Auftragsbücher damit um 9,3 % dicker (Destatis 19.08.26).
Insolvenzen und Gründungen: Die Unternehmensinsolvenzen stiegen im 1. HJ um 7,8% auf ihren höchsten Stand seit 2013. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock hat die Entwicklung verschärft (Creditreform 23.08.26). Bemerkenswert ist, dass nur jede achte Unternehmensschließung auf eine Insolvenz zurückzuführen ist. Zunehmend stellen auch Unternehmen mit ausreichender Bonität ihre Geschäftstätigkeit freiwillig ein, Gründe sind u.a. Fachkräftemangel, hohe Kosten oder fehlende Unternehmensnachfolge (ZEW/Creditreform 18.08.26).
Preisentwicklung: Die Inflationsrate zieht deutlich an und lag im August 2026 bei 2,9%. Die Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie (Kerninflation) betrug 2,4%, für Energie 10,5% (Destatis 31.08.26). Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im Juli um 3,0% über Vorjahresniveau (Destatis 20.08.26).
Arbeitsmarkt: Im Zuge der Sommerpause ist die Arbeitslosenquote leicht auf 6,5% (ILO-Erwerbskonzept) gestiegen (BA 24.08.26). Betroffen ist vor allem die Industrie, insbesondere die Autoindustrie. Hier wurden binnen Jahresfrist 5,8% der Stellen abgebaut, seit 2005 waren noch nie weniger Menschen in der Branche beschäftigt (Destatis 14.08.26). Ein Lichtblick ist, dass die Unternehmen künftig weniger Stellen abbauen wollen, das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg sogar auf den höchsten Wert seit Mai 2025 (ifo 27.08.26).
Außenwirtschaft und Lieferketten: Die Exportwirtschaft nimmt Fahrt auf, das Anziehen der Wirtschaftsleistung seit Jahresbeginn geht im Wesentlichen auf die Belebung der Auslandsnachfrage zurück (RWI 03.09.26). Sie haben im 1. HJ um 3,9% zugelegt (Destatis 20.08.26). Gleichzeitig hat sich die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft deutlich verbessert. Die ifo-Exporterwartungen lagen im August bei +9,6 Punkten (Juli: 2,8), der höchste Wert seit Februar 2022 und der stärkste Anstieg seit Juni 2020 (ifo 26.08.26). Gleichzeitig befürchtet mittlerweile jedes vierte Unternehmen, auf Märkten außerhalb der EU an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Noch 2021 teilte diese Sorge nicht einmal jedes zehnte Unternehmen. In besonders schwierigem Fahrwasser sieht sich die Automobilindustrie (43,0%) (ifo 19.08.26).
Finanzen und Investitionen: Noch nie haben deutsche Start-ups mehr Geld eingesammelt als im 1. HJ 2026. Von Januar bis Juli gingen 9,4 Mrd. Euro an deutsche Jungfirmen, das waren rd. 800 Mio. Euro mehr als im gleichen Zeitraum des bisherigen Rekordjahrs 2022 (Pitchbook/Handelsblatt 27.08.26).
Standort Deutschland: Das drängendste gesellschaftliche Problem ist aus Sicht der Bevölkerung nicht mehr der Klimawandel. An der Spitze der Sorgen steht nun die wirtschaftliche Lage des Landes (RWI 26.08.26).
Geschäftsklima: Das Geschäftsklima im Mittelstand zum vierten Mal in Folge gestiegen, zuletzt um beachtliche 4,5 Zähler auf -12,5 Saldenpunkte. Verbessert haben sich sowohl die Beurteilung der derzeitigen Lage (+2,3) als auch der Blick in die Zukunft (+6,7) (KfW/ifo 01.09.26).

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